E-Mail, Tomlinson

Vielen Dank für Ihre E-Mail

 

Vielen Dank

Zum Tode von Ray Tomlinson, ein Text aus dem Buch „Vielen Dank für Ihre E-Mail“ von Christoph Moss.

Ray Tomlinson ist so etwas wie der Neil Armstrong des Internets. Der Amerikaner ist der erste Mensch, der eine Nachricht zwischen zwei Rechnern verschickt hat – eine Leistung, die dem ersten Besuch auf dem Mond in nichts nachsteht.

Es ist Winter 1971, und Tomlinson arbeitet für Bolt Beranek and Newman – eine Firma aus Cambridge mit einem bedeutenden Auftrag: Das Unternehmen aus Massachusetts soll für das US-Verteidigungsministerium das Arpanet aufbauen. Aus diesem Netz wird später einmal das Internet entstehen.

Tomlinson will es Menschen ermöglichen, Nachrichten von einem Computer zum anderen zu schicken. Ein solcher Computer allerdings gleicht zu Beginn der siebziger Jahre eher einem mehrere Meter breiten Kleiderschrank denn einem kompakten Kleingerät. Der 30-jährige Ingenieur investiert sechs Stunden seines Lebens, dann hat er das Programm fertiggeschrieben, mit dem sich elektronische Nachrichten versenden lassen.

Am Ziel ist er deshalb aber noch nicht. Tomlinson weiß jetzt, wie er einen elektronischen Brief von einem Ort zum anderen schicken kann. Aber er muss noch einen kleinen Schritt gehen, der die Menschheit entscheidend voranbringen wird. Wie beim Versand eines klassischen Poststücks braucht er für seine E-Mail nicht nur eine Briefmarke, sondern auch die vollständige Anschrift des Empfängers. Seine Erfindung kann nur funktionieren, wenn er den Namen des Adressaten auf kluge Weise mit dem Namen des Computers verbindet, der die Nachricht empfangen soll.

Und um diese beiden Bestandteile einer elektronischen Adresse zusammenzubauen, bedarf es einer revolutionären Idee. Tomlinson benötigt ein besonderes Zeichen. Es muss ein Symbol sein, das auf einer herkömmlichen Tastatur vorhanden, aber ansonsten fast überflüssig ist – also kein Bestandteil eines Namens, keine Zahl, kein Buchstabe und auch keine Firmenbezeichnung.

Groß ist die Auswahl nicht, wenn man derart gravierende Einschränkungen hinnehmen muss. Auf der Tastatur seiner 33 Teletype, einer Art Schreibmaschine mit Fernschreibfunktion, stößt er auf das @. Dieses Symbol erfüllt alle geforderten Kriterien. Tomlinson bastelt, setzt die Zeichen zusammen und schafft damit die erste E-Mail-Adresse der Welt:

tomlinson@bbntenexa

Eine weite Strecke wird seine Nachricht nicht überbrücken müssen. Die Rechner stehen praktisch nebeneinander, nur verbunden über ein Kabel. Tomlinson sendet seine historische E-Mail innerhalb des eigenen Hauses vom kleineren Computer mit dem Namen BBNB zu dessen größeren Kollegen BBNA. Es ist ein kleiner Schritt für ein @, aber ein großer Schritt für die Internetgemeinde, die erst in den Jahren danach E-Mail-Endungen wie .com oder .de einführen wird.

Geradezu vehement wehrt sich Tomlinson heute gegen die Mär, er habe das @-Zeichen erfunden: „No, I did not invent the at sign!“, sagt er auf seiner persönlichen Internetseite. Tatsächlich war das @ schon seit vielen Generationen gebräuchlich unter Händlern und Kaufleuten in der Englisch sprechenden Welt. Die Aussage „10 gal @ $3.95/gal“ bedeutete etwa: „zehn Gallonen zu 3,95 Dollar je Gallone.“ Aus diesem kaufmännischen Ursprung heraus gelangte das @ auf die Tastaturen moderner Rechner – und damit in den Wahrnehmungskreis des ersten E-Mail-Versenders Ray Tomlinson.

Wie sehr dieses @ das Leben und die Kommunikation der Menschen beeinflusste, zeigt das englische Königshaus: Keine fünf Jahre nachdem Ray Tomlinson die erste hausinterne E-Mail von einem Rechner zum anderen abgesetzt hatte, machte die Queen schon von dieser neuen Art der Nachrichtenübermittlung Gebrauch. 1976 verschickte Elizabeth II. ihre erste E-Mail von einem britischen Militärstützpunkt aus.

Trotzdem hat sich die englische Königin in Londoner Adelskreisen nicht unbedingt den Ruf einer begnadeten, interaktiven Kommunikatorin erworben: „Wir können ihr keine E-Mail schreiben, und es gibt wenig Hoffnung, dass sie in Zukunft bloggen wird oder gar twittern“, sagte einmal Peter Hunt, Experte für königliche Angelegenheiten bei der britischen BBC, in einem Gespräch mit dem Stern.

Dem Siegeszug der E-Mail hat dies keinen Abbruch getan. Dass die Menschen das @ rund um den Globus in ihre Sprache und damit in ihre Kultur aufgenommen haben, zeigen die phantasievollen Übersetzungen für dieses Symbol: Bei den Deutschen ist es der Klammeraffe, bei den Chinesen liebevoll die Kleine Maus, bei den Italienern die Schnecke und bei den Tschechen ein burschikoser Rollmops.

Für die Entstehungsgeschichte der E-Mail schien sich die Öffentlichkeit dagegen lange Zeit nicht zu interessieren – ein Umstand, der sich inzwischen vollständig geändert hat. Nun wollen Journalisten scheinbar jedes noch so kleine Detail von Ray Tomlinson erfahren, bis hin zu der Frage, was er denn an jenem Abend gegessen habe, als er die erste E-Mail der Menschheitsgeschichte versandte. Kommentar Tomlinson: „Wissen Sie, was Sie 1971 gegessen haben? Ich weiß es nicht.“

Christoph Moss (2010): Vielen Dank für Ihre E-Mail
Kurioses, Wissenswertes und Hilfreiches rund um das Kommunikationsmittel Nummer 1,
Verlag Frankfurter Allgemeine Buch, 224 Seiten

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Kommunikation für Warstein

Für Warstein war 2013 ein hartes Jahr. Nach der schweren Legionellen-Krise war ich mehrfach in der Stadt, um mit den Menschen vor Ort am Image der Stadt zu arbeiten. Am Samstag den 18. Januar findet dazu die nächste Veranstaltung statt, beim Neujahrsempfang der Lokalzeitungen von Westfalenpost und Warsteiner Anzeiger. Ich freue mich auf dieses Treffen!

http://www.derwesten.de/staedte/warstein/blick-nach-vorn-bei-neujahrsempfang-aimp-id8814109.html

http://www.google.de/imgres?biw=1040&bih=746&tbm=isch&tbnid=4d3Bn0C9Gbx4QM%3A&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.derwesten.de%2Fstaedte%2Fwarstein%2Fideen-fuer-image-der-stadt-warstein-nach-der-legionellenkrise-id8686271.html&docid=O-fJhFhFMLebkM&imgurl=http%3A%2F%2Fwww.derwesten.de%2Fimg%2Fincoming%2Fcrop8686270%2F6418509560-cImg0273_543-w656-h240%2FWarstein-14-656×240.jpg&w=656&h=240&ei=hlDSUuzAF4iztAas7ICgAg&zoom=1&iact=rc&dur=2652&page=1&start=0&ndsp=23&ved=0CFQQrQMwAA

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Schmusewahlkampf

Plakate gehören zum festen Ritual einer jeden Wahl. Selten schön, häufig ideenlos zeigen sie, wie Parteien sich und ihre Wähler sehen. In der Vergangenheit ist manches schiefgelaufen: Spitzenpolitiker mit der Unterzeile „Glaubwürdigkeit“ etwa, die kurze Zeit später ihr Amt verloren. Solche Fehler wollen die Parteien diesmal verhindern und gehen auf Schmusewahlkampf. Die Botschaft der Regierungsparteien: Wählt uns, und alles bleibt, wie es ist. Die Christdemokraten signalisieren Selbstbewusstsein, setzen auf Erfolg, Sicherheit, Familie – typische Werte, die den Deutschen wichtig sind und niemandem wehtun. Unterstützung liefert verblüffenderweise die Opposition. Die SPD wirbt mit dem Gesicht der Kanzlerin, die es aus ihrer Sicht abzuwählen gilt. Die Aussage dahinter ist resignierend: Wir haben keinen richtig guten Kandidaten, den wir prominent präsentieren wollen. Der Vorteil liegt bei der CDU, die aber auch auf eine FDP­Ikone wie Rainer Brüderle angewiesen ist – mit gelber Krawatte und in altmodischem Fotodesign. Die Grünen setzen geschickt ihre frische Farbe ein, zeigen ihren Kandidaten vor einem Baum mit deutlich erkennbarem Internethinweis und der Aussage „Wir bringen neue Energie“. Subjekt, Prädikat, Objekt – eine schlüssig durchkomponierte Kampagne. Im Plakatwahlkampf 2013 bleiben noch resignierte Piraten, die mit Datensicherheit, Miete und anderen schwer belasteten Themen das Frustpotenzial der Menschen abgreifen wollen. Die parolenverliebten Linken scheinen aus einer anderen Zeit mit Ausrufezeichen als wichtigstem Stilmittel.

Gut, dass die Plakate bald wieder verschwinden.

Hinweis: Dieser Beitrag ist auch in der Zeitschrift „Absatzwirtschaft“ erschienen. Hier geht es zum Link:

http://www.absatzwirtschaft.de/content/k=UGu6CVw%252beU45VqRl3ToqVxFAZFmJtUZE%252bI8%252bQ7b%252bqVSRRzAasI8PCGEF6PwMB7SYKxvlgBeSBMc%253d;showblobms

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Bundestagswahl

Eine Analyse zur Bundestagswahl – veröffentlicht von der Deutschen Welle. Interessant, die eigenen Gedanken in vielen wichtigen Sprachen dieser Welt wiederzufinden. Hier geht es zu den Links:

http://www.dw.de/merkel-tetap-favorit/a-17044978

http://www.dw.de/baratos-e-impactantes-cartazes-s%C3%A3o-instrumento-mais-eficaz-da-campanha-eleitoral-alem%C3%A3/a-17027520

http://www.dw.de/merkel-dominates-the-election-campaign/a-17024906

http://www.dw.de/alegerile-pentru-bundestag-%C5%9Fi-programul-merkel/a-17026691

http://www.dw.de/izborna-borba-na-njema%C4%8Dkim-ulicama/a-17007952

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